
Folge 340 · · 37 Min.
„Hyperscaler sind trotz allem weniger verschuldet als viele europäische Unternehmen“

Ein risikofreudiger US-Präsident und der Iran-Krieg prägten das Jahr 2026 wesentlich mit sehr unterschiedlichen Auswirkungen auf die Staaten, resümiert #GunterDeuber, Chefanalyst der #RaiffeisenbankInternational das Wirtschaftsjahr 2026. Amerika wachse mit über zwei Prozent, Österreich leide hingegen überproportional unter den geopolitischen Spannungen.
Während die österreichische Volkswirtschaft von der deutschen Konjunktur deutlich weniger profitiere als früher, laufe die Wiener Börse dank international tätiger Konzerne wie OMV und Raiffeisen sehr gut, meint Gunter Deuber in der aktuellen Podcastfolge der GELDMEISTERIN. Er führt die schwache realwirtschaftliche Entwicklung der Alpenrepublik auf die Strukturprobleme und die mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit Österreichs zurück. Man könne nicht einfach alles auf Deutschland schieben. Ebenso mit Deutschlands Wirtschaft stark verflochtene Volkswirtschaften wie Ungarn oder Polen würden deutlich stärker wachsen.
Die jüngsten Korrekturen am Wiener Finanzplatz seien normale Gewinnmitnahmen nach guter Börsenphase und nicht spezifisch für Wien. Für 2027 erwartet der RBI-Chefanalyst ein moderates Wirtschaftswachstum in Europa und den USA mit stabiler Inflation, was grundsätzlich ein positives Börsenumfeld schaffe. Er blickt moderat optimistisch auf die Aktienmärkte, da diese fair bewertet seien.
Als konkrete Kursziele für das kommende Jahr nennt Gunter Deuber für den deutschen DAX-Index 28.000 Punkte und für den S&P 500 rund 8.500 Punkte. Die anhaltende Wirtschaftsstärke der USA, besonders durch Innovationen wie künstliche Intelligenz, stütze diese Erwartung.
Allerdings warnt er vor steigenden Anleiherenditen als Konkurrenz für Aktien. Gunter Deuber rechnet jedoch erst im zweiten Halbjahr mit größeren Umschichtungen der großen institutionellen Anleger zwischen Anleihe- und Aktienmärkten.
Für Privatanleger mache aber eine ausgewogene Umschichtung in festverzinsliche Wertpapiere jetzt durchaus schon Sinn, da aktuelle Renditen im Eurozone-Bereich attraktiv seien.
Zugleich warnt er vor Bonitätsrisiken bei Staatsanleihen, besonders französischer, während Unternehmensanleihen im Investment-Grade-Bereich solide Renditen bieten und Kaufkraftschutz ermöglichen. Gunter Deuber teilt nicht die Angst vor einer hohen Verschuldung der amerikanischen Hyperscaler. Diese blieben trotz gestiegener Verschuldung nur moderat verschuldet: „Viele europäische Unternehmen sind höher verschuldet.“ Für die Portfoliostabilisierung empfiehlt der Finanzexperte Investment-Grade-Unternehmensanleihen sowie selektiv hochwertige Staatsanleihen, da Gold langfristig keine nachhaltigen Renditen biete.
RBI-Chefanalyst Gunter Deuber sieht auch den langfristigen KI-Modernisierungszyklus intakt, der erst in seinen frühen Phasen stecke. Große Technologiekonzerne wie Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft seien durch ihre niedrige Verschuldung und Fähigkeit zur Monetarisierung von KI gut positioniert. Wo er 2027 noch interessante Ertragsperspektiven sieht, verrät er in dieser Podcastfolge der GELDMEISTERIN.
Viel Hörvergnügen wünscht Julia Kistner
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Foto: RBI/Gerry Mayer-Rohrmoser / Bearbeitung GELDMEISTERIN